Dieser Artikel ist auch im Zürioberland Magazin vom 24. Oktober 2025 erschienen.
Jetzt kostenlos abonnierenPaul Hasler ist als Streckenentwickler für die Herzroute AG tätig. Er erkundet stets neue Routen, sammelt Ideen für neue Herzschlaufen und arbeitet dann konkret an der Umsetzung mit. Für die Herzschlaufe 999 lieferte die Ideen und leitete den Bewilligungsprozess und die Beschilderungsplanung.
Paul Hasler, was waren Ihre Rolle und Ihre Aufgaben für diese neue E-Bike-Route Herzschlaufe 999, die unter anderem durch das nördliche Zürcher Oberland führt?
Ich bin als Streckenentwickler Teil des Herzroute-Teams. Ich liefere die Ideen für neue Schlaufen und erkunde die Routen. Im Fall der Herzschlaufe 999 habe ich auch den Bewilligungsprozess und die Beschilderungsplanung geleitet.
Was sind aus Ihrer Sicht die Highlights der Route?
Die Gegend im Grenzgebiet zwischen den Kantonen Zürich, Thurgau und St. Gallen überrascht mit einer wunderbaren Abfolge von Landschaftsräumen. Zudem ist sie kaum bekannt. Ja selbst Ortskundige melden uns zurück, dass sie über die neue Route zahlreiche ihnen unbekannte Verbindungen befahren haben. E-Bike-Wandernde sind auf der Herzschlaufe 999 zwei Tage in einer Region unterwegs, die erfreut, überrascht und regelrecht verzaubert.
Wodurch hebt sich die neue Herzschlaufe 999 besonders ab?
Die Route 999 fällt schon allein durch ihre Nummer auf. Sie ist vielleicht nicht «schöner» als unsere anderen Schlaufen, aber sie bietet eine besondere Intimität, kaum Verkehr und eine Anzahl kleiner Highlights entlang der Strecke, wie zum Beispiel das Kloster Fischingen, die Ruine Schauenberg, das Städtli Elgg und natürlich den pittoresken Blick auf die Altstadt Wil SG vom Weier aus, der sich übrigens tatsächlich ohne h schreibt. Zudem ist die Herzschlaufe 999 von urbanen Zentren aus leicht erreichbar, zum Beispiel von Winterthur oder St. Gallen. Ein ideales Freizeitangebot für die Region.
Wie viel Zeit empfehlen sie für die Route? Schafft man sie in einem Tag?
Man sollte sich besser zwei Tage Zeit nehmen und dabei den Fokus auf viel Genuss legen, statt die Sache allzu sportlich zu nehmen. Noch besser, man speist und übernachtet entlang der Route, was an mehreren Orten stilvoll und authentisch möglich ist, beispielsweise im historischen Gasthof Gyrenbad.
Was waren die grössten Herausforderungen bei der Erarbeitung der Herzschlaufe 999?
Die Schweiz ist nun mal ein Land, in dem vieles stark reglementiert ist. Es müssen also zahlreiche Bewilligungen eingeholt werden. Auf dieser Route verkehren wir auf vielen Privatstrassen oder queren Bauernhöfe. Das braucht viel gegenseitiges Verständnis und Zusagen. Anfangs überwiegt manchmal die Skepsis, zumal E-Bike-Wandernde am Strassenrand nicht gerade ideal sind, wenn ein Traktor die ganze Fahrbahnbreite benötigt. Deshalb appellieren wir an die Gäste, stets rücksichtsvoll und höflich zu sein, zumal wir ja nur zu Besuch sind in diesen wunderbaren Gegenden.
Die Herzschlaufe 999 ist ein kantonsübergreifendes Projekt mit Beteiligung von Zürich, Thurgau und St. Gallen. Wie kam es dazu?
Als schweizweit agierendes Herzroute-Team und Initiantin dieses Projektes dürfen wir Kantonsgrenzen ignorieren. Das ist ein grosser Vorteil. Wenn die gleiche Idee von einem Tiefbauamt oder einer Tourismusorganisation kommt, wird es fast immer politisch, sobald man Grenzen überschreitet oder nicht alle Gemeinden in der Streckenführung berücksichtigt. Wir können das etwas lockerer nehmen. Unser Ziel ist es einfach, die schönstmögliche Strecke zu erarbeiten. Und das haben die drei Kantone dann auch mit Wohlwollen unterstützt. Ich denke, alle sind sehr zufrieden mit dem Resultat.
Wie lange dauerte das Projekt von Planungsstart bis Eröffnung?
In der Regel dauert die Erstellung einer solchen Herzschlaufe etwa drei Jahre, manchmal auch vier. Das war auch hier so. Die zunehmenden Planungsebenen machen es nicht gerade einfacher. Aber jetzt steht die Strecke und hat hoffentlich für mehrere Jahrzehnte Bestand, sodass sich viele Radreisende noch lange an dieser schönen Route erfreuen können.
Wie war die Zusammenarbeit mit den Tourismusorganisationen, insbesondere mit der Standortförderung Zürioberland (SZO)?
Wir erleben das Zürcher Oberland immer wieder als dynamisch und sehr kooperativ. Bereits schon bei der Erstellung der Herzroute vor rund zehn Jahren, die über Wald und die Chrinne nach Wattwil führt, durften wir mit der SZO zusammenarbeiten und immerhin eine neue Veloverbindung zwischen den beiden Kantonen Zürich und St. Gallen etablieren! Wenn wir die Herzroute vielleicht irgendwann noch über den Bachtel führen dürfen, wäre das für uns das Tüpfli auf dem i und ein Highlight für alle. Vorerst sind wir aber mit Routenführung der Herzschlaufe 999 durch das nördliche Zürcher Oberland zufrieden und bedanken uns für die konstruktive Zusammenarbeit.
Paul Hasler, vielen Dank für die vertieften Einblicke.
Kathrin Senn, Textschaft, hat im Auftrag der Standortförderung Zürioberland mit Paul Hasler, Streckenentwickler bei der Herzroute AG gesprochen.
Paul Hasler
Streckenentwickler Herzroute
«Die Gegend im Grenzgebiet zwischen den Kantonen Zürich, Thurgau und St. Gallen überrascht mit einer wunderbaren Abfolge von Landschaftsräumen. E-Bike-Wandernde sind auf der Herzschlaufe 999 zwei Tage in einer Region unterwegs, die erfreut, überrascht und regelrecht verzaubert.»