In der Autosattlerei Jaggi in Wermatswil bei Uster werden in Handarbeit die Interieurs von Oldtimern originalgetreu restauriert, Auto- und Motorradsitze neu bezogen, Verdecke von Cabrios oder Dachzelte ersetzt, Abdeckungen und Polster für Boote genäht oder massgeschneiderte Blachen angefertigt. All das passiert unter der Leitung von Ann-Christine Ubrich, die vor vier Jahren den 1952 gegründeten Traditionsbetrieb von Markus Jaggi übernommen hat. Die junge Frau hat bereits die Lehre im Betrieb gemacht und ist Autosattlerin mit Leib und Seele – wobei sie lachend festhält: «Heute heisst es nicht mehr Autosattler:in, sondern Fachperson Leder und Textil EFZ, Fachrichtung Fahrzeuge und Technik.»
Am traditionellen Handwerk hat sich jedoch nichts geändert: Sattlerarbeit ist Handarbeit, einen grossen Maschinenpark sucht man in der Autosattlerei in Wermatswil vergebens. Dafür gibt es hier Industrienäh maschinen, grosse Zuschneidetische, ein umfangreiches Materiallager mit Leder, Alcantara und verschiedensten Stoffen sowie genügend Platz für die Arbeit an mehreren Fahrzeugen. Vor zwei Jahren zog er kleine Betrieb von Uster nach Wermatswil in die Räumlichkeiten einer ehemaligen Schreinerei. Ein Glücksfall, wie Inhaberin Ubrich betont. «Dass wir in der Nähe von Uster bleiben wollen, war immer klar. Unser Betrieb ist hier stark verwurzelt, und wir profitieren in der Region nicht nur von einer grossen Bekanntheit, sondern auch von einem breiten Netzwerk. Zudem bin ich selbst in Uster aufgewachsen und gehöre einfach hierher.»
Ein aussterbender Beruf
Die junge Ustermerin beschäftigt fünf Mitarbeitende und bildet Lernende aus. Während andere Betriebe den Aufwand für die Ausbildung von Lernenden oft scheuen, ist dieses Engagement für die junge Geschäftsführerin selbstverständlich: «Die Autosattlerei ist ein aussterbender Beruf. Wir brauchen dringend Nachwuchs und qualifizierte Mitarbeitende und stehen deshalb in der Verantwortung, diese auch selbst auszubilden», ist Ann-Christine Ubrich überzeugt.
Das Berufsbild der Fachperson Leder und Textil EFZ sei viel zu wenig bekannt, bedauert sie. Jugendliche hätten zudem oft ein falsches Bild des Berufs: «Als Autosattler:in muss man kein besonderer Fan von Autos sein, sondern ein Fan seines Handwerks. Wir schrauben weder ständig an Autos rum, noch sitzen wir den ganzen Tag an der Nähmaschine und fertigen Polster an.»