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Traditionelles Handwerk mit frischem Wind

Dieser Artikel ist auch im Zürioberland Magazin vom 23. Oktober 2026 erschienen.

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Die Autosattlerei Jaggi, spezialisiert auf hochwertige Sattlerarbeiten, ist ein Traditionsbetrieb – allerdings einer unter junger Leitung und mit viel frischem Wind: Im Alter von gerade mal 20 Jahren übernahm Ann-Christine Ubrich 2022 die Firma. Die Fachfrau Leder und Textil liebt ihr Handwerk und setzt sich dafür ein, dass dieses nicht ausstirbt.

In der Autosattlerei Jaggi in Wermatswil bei Uster werden in Handarbeit die Interieurs von Oldtimern originalgetreu restauriert, Auto- und Motorradsitze neu bezogen, Verdecke von Cabrios oder Dachzelte ersetzt, Abdeckungen und Polster für Boote genäht oder massgeschneiderte Blachen angefertigt. All das passiert unter der Leitung von Ann-Christine Ubrich, die vor vier Jahren den 1952 gegründeten Traditionsbetrieb von Markus Jaggi übernommen hat. Die junge Frau hat bereits die Lehre im Betrieb gemacht und ist Autosattlerin mit Leib und Seele – wobei sie lachend festhält: «Heute heisst es nicht mehr Autosattler:in, sondern Fachperson Leder und Textil EFZ, Fachrichtung Fahrzeuge und Technik.»

Am traditionellen Handwerk hat sich jedoch nichts geändert: Sattlerarbeit ist Handarbeit, einen grossen Maschinenpark sucht man in der Autosattlerei in Wermatswil vergebens. Dafür gibt es hier Industrienäh maschinen, grosse Zuschneidetische, ein umfangreiches Materiallager mit Leder, Alcantara und verschiedensten Stoffen sowie genügend Platz für die Arbeit an mehreren Fahrzeugen. Vor zwei Jahren zog er kleine Betrieb von Uster nach Wermatswil in die Räumlichkeiten einer ehemaligen Schreinerei. Ein Glücksfall, wie Inhaberin Ubrich betont. «Dass wir in der Nähe von Uster bleiben wollen, war immer klar. Unser Betrieb ist hier stark verwurzelt, und wir profitieren in der Region nicht nur von einer grossen Bekanntheit, sondern auch von einem breiten Netzwerk. Zudem bin ich selbst in Uster aufgewachsen und gehöre einfach hierher.»

Ein aussterbender Beruf
Die junge Ustermerin beschäftigt fünf Mitarbeitende und bildet Lernende aus. Während andere Betriebe den Aufwand für die Ausbildung von Lernenden oft scheuen, ist dieses Engagement für die junge Geschäftsführerin selbstverständlich: «Die Autosattlerei ist ein aussterbender Beruf. Wir brauchen dringend Nachwuchs und qualifizierte Mitarbeitende und stehen deshalb in der Verantwortung, diese auch selbst auszubilden», ist Ann-Christine Ubrich überzeugt.

Das Berufsbild der Fachperson Leder und Textil EFZ sei viel zu wenig bekannt, bedauert sie. Jugendliche hätten zudem oft ein falsches Bild des Berufs: «Als Autosattler:in muss man kein besonderer Fan von Autos sein, sondern ein Fan seines Handwerks. Wir schrauben weder ständig an Autos rum, noch sitzen wir den ganzen Tag an der Nähmaschine und fertigen Polster an.»

Die Lernenden durchlaufen eine abwechslungsreiche Lehrzeit und schliessen nach drei Jahren als Fachperson Leder und Textil mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab. © graustufen.ch

Vielmehr sind die Arbeiten, die in der Autosattlerei erledigt werden, enorm vielfältig. Auch die enge Zusammenarbeit mit Autogaragen, Motorsportgeschäften und der Oldtimerszene macht den Beruf abwechslungsreich. «Die Arbeit mit unseren Partner:innen geht Hand in Hand. So bauen wir beispielsweise bei neuen Autos die Armaturen wegen der vielen Elektronik icht mehr selbst aus; das überlassen wir den Garagen. Wir beziehen die Armaturen neu und geben sie für den Einbau wieder an die Garage zurück», erklärt Ubrich.

Nähe zu Oldtimerfans
Über zu wenig Arbeit kann sich die Autosattlerei Jaggi nicht beklagen. «Unsere Arbeit kann zum Glück nicht von Künstlicher Intelligenz übernommen werden», schmunzelt Ubrich. Natürlich macht der Fortschritt aber auch vor ihrem Betrieb nicht halt; einerseits im Bereich neuer Materialien, andererseits bei den Bedürfnissen der Kund:innen. Deren Ansprüche sind gestiegen, zunehmend werden beispielsweise vor der Auftragserteilung Visualisierungen von Autointerieurs gewünscht. Die Kosten für die Entwicklung entsprechender Tools seien aber noch zu hoch, so die Geschäftsführerin.

Sie investiert ihre Ressourcen lieber in den Aufbau eines zweiten Standorts: In der Motorworld in Kemptthal hat sie eine kleine Fläche gemietet, die der Autosattlerei eine noch grössere Nähe zu Oldtimerfans und Restaurationsliebhaber: innen ermöglicht – auch dank einer Partnerschaft mit der ebenfalls dort ansässigen Schwungrad AG. Aktuell fi nden dort Termine nur nach Vereinbarung statt. Doch egal ob in Wermatswil oder in Kemptthal: Gerade Oldtimerfans sind sehr wählerisch und geben ihre Schätze nur in Hände, denen sie voll und ganz vertrauen; in diesem Fall in jene von Ann-Christine Ubrich und ihrem Team.

autosattlerei-jaggi.ch

© graustufen.ch

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