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Gästelenkung bei der Kürbisausstellung

Dieser Artikel ist auch im Zürioberland Magazin vom 23. Oktober 2026 erschienen.

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Herbstzeit heisst: Kürbisausstellung auf dem Juckerhof in Seegräben. Der Hof und sein Anlass sind weit über die Region hinaus bekannt und ziehen seit vielen Jahren jeweils Tausende von Besucher:innen an – ein Vielfaches der lokalen Bevölkerung. Damit dies für das Dorf verträglich bleibt, setzt der Juckerhof zusammen mit erschiedenen Partner:innen Massnahmen zur Gästelenkung um und passt diese aufgrund der gemachten Erfahrungen laufend an.

Die Kürbisausstellung der Jucker Farm ist seit Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte. Der Hof hat das Zürcher Oberland weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt gemacht und ist sowohl Botschafter für die Region als auch Inspiration in Sachen Innovation für andere Landwirtschaftsbetriebe. Rund 400 Angestellte beschäftigt
die Jucker Farm mit ihren insgesamt vier Höfen über die Saison hinweg, davon rund 180 ganzjährig. Dank lokaler Zulieferbetriebe und regionaler Kundschaft bleibt auch ein grosser Teil der Wertschöpfung hier.

Touristisch und wirtschaftlich wertvoll
«Eine Attraktion wie der Juckerhof ist sowohl aus wirtschaftlicher als auch touristischer Sicht äusserst wertvoll für die Region», ordnet Mirjam Wüthrich von der Standortförderung Züri oberland (SZO) ein. «Der Hof zieht nationale und internationale Gäste ins Zürcher Oberland und bietet gleichzeitig die Infrastruktur für grössere Gruppen. Damit füllt er eine Angebotslücke, die wetterunabhängig genutzt wird. Dennoch ist die Kürbisausstellung als touristische Attraktion angrenzend ans Naturschutzgebiet in Sachen Gästelenkung eine grosse Herausforderung. Für ein gutes Gelingen müssen viele Parteien einen Konsens finden», ordnet sie ein.

Eintritt als Massnahme für Verantwortung
Der langjährige Grosserfolg des Anlasses bedeute für das Unternehmen, Verantwortung gegenüber der lokalen Bevölkerung sowie der Umwelt zu übernehmen, betont Nadine Gloor, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Jucker Farm. Um das Dorf vor Übertourismus zu schützen, bezahlen Gäste seit 2024 einen Eintritt von 10 bis 15 Franken. «Die Tickets haben sich als Gästelenkungsmassnahme bewährt, gleichzeitig konnten wir die Qualität des Anlasses steigern», sagt Nadine Gloor. «Zudem helfen uns die Online-Verkäufe enorm bei der Personal- und Verpflegungsplanung». Auf Wunsch der Gemeinde wurde die Ausstellung ausserdem von ursprünglich acht Wochen auf fünf gekürzt. Gloor verweist auf das Pro und Kontra: «Seegräben ist damit weniger lange belastet, dafür in der verkürzten Zeit umso intensiver.»

 

Nadine Gloor

Leiterin Marketing und Kommunikation, Jucker Farm

«Der langjährige Erfolg unseres Anlasses bedeutet für uns auch, Verantwortung gegenüber der lokalen Bevölkerung und der Umwelt zu übernehmen.»

VZO-Bus und Parkleitsystem
Eine der grössten Herausforderungen rund um den Anlass ist der viele Verkehr. Der Erlebnishof selbst hat keine Parkplätze, und der TCS-Parkplatz im Dorf ist jeweils rasch voll. «Das führt oft zu Staus», so Gloor ernüchtert. Abhilfe soll hier das neue Parkleitsystem rund um den Pfäffikersee schaffen, das die Anstössergemeinden in Zusammenarbeit mit der Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) per 2026 erarbeitet haben. «Wir haben die Anzeige auf unserer Website integriert, damit man live sieht, wo es freie Plätze hat», so Gloor. «Grundsätzlich fordern wir auf, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen», betont sie. An den Wochenenden im September und Oktober gibt es einen rege genutzten Linienbus der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) ab Uster, der inzwischen selbsttragend ist. Für den Busbetrieb unter der Woche während der Dauer der Ausstellung kommt die Jucker Farm alleine auf. Die Kosten für den geplanten Ausbau der Bushaltestelle werden hingegen von der Gemeinde getragen.

Gästelenkung dank Kommunikation
Gästelenkung funktioniert aber nur mit entsprechender Kommunikation. Nadine Gloor hält fest, dass die Jucker Farm Jahr für Jahr grossen Aufwand betreibt, um Besuchende umfassend über Anreisemöglichkeiten und Massnahmen zu informieren. Jucker Farm nutzt dazu zahlreiche eigene Kanäle, wie die Hofwebsite oder Social Media. Zudem unterstützen Partner:innen, Gemeinden und Medien die Kommunikation. Die breite Bekanntmachung funktioniert: «Wir erreichen vorab sehr viele Leute, die meisten wissen Bescheid», bestätigt Nadine Gloor.

 

Während der Kürbisausstellung setzt der Juckerhof in Seegräben auf gezielte Gästelenkung, um Bevölkerung und Umwelt zu entlasten. © Juckerhof

Austausch mit Lokalbevölkerung
Und wie ist der Austausch mit der lokalen Bevölkerung von Seegräben? «Wir veranstalten jedes Jahr einen Abend für Anwohner:innen, da uns der direkte Dialog sehr wichtig ist. Der Anlass wird geschätzt und ist immer gut besucht», so Nadine Gloor. «Zusätzlich finden über das gesamte Jahr hinweg regelmässig Gespräche im kleineren Rahmen statt.» Trotz des grossen Ansturms während der Kürbisausstellung und des damit manchmal einhergehenden Verkehrschaos ist das Verhältnis zur Lokalbevölkerung gut. «Tatsache ist ja auch, dass die Situation während der restlichen elf Monate des Jahres meist entspannt ist.»

Erfolgreiches Zusammenspiel
«Der Juckerhof ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass man touristische und wirtschaftliche Interessen eines solchen Ortes mit geschickter Gästelenkung durchaus verträglich gestalten kann. Voraussetzung ist aber, dass alle Beteiligten am gleichen Strick ziehen. In diesem Fall sind das die Jucker Farm durch Einschränkung des Angebots, die Gemeinde Seegräben, die Regionalplanung Zürcher Oberland und die VZO als ÖV-Betreiberin. Die Anwohner:innen tragen durch ihre Akzeptanz zum Gelingen bei, die Gäste, indem sie einen Eintrittspreis bezahlen und ohne Auto anreisen», fasst Mirjam Wüthrich zusammen.

Jucker Farm Seegräben
Der Juckerhof in Seegräben kombiniert innovative Landwirtschaft mit Erlebnis-Gastronomie und Events. Der Hof an aussichtsreicher Lage oberhalb des Pfäffikersees betreibt nebst einem Hofladen ganzjährig ein Restaurant mit stets saisonalen und regionalen Angeboten und bietet viele Attraktionen für Familien. Das Highlight ist jeweils die mehrwöchige Kürbisausstellung im Herbst.
juckerfarm.ch