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Wo Begegnung entsteht

Dieser Artikel ist auch im Zürioberland Magazin vom 23. Oktober 2026 erschienen.

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Ob auf dem Dorfplatz, in der Bibliothek oder in einem temporär umgenutzten Raum: Begegnungsorte sind mehr als nur Räume. Es sind Orte, an denen Gemeinschaft erlebbar wird und sozialer Zusammenhalt entsteht. Im Zürcher Oberland werden solche Orte bewusst geschaffen und weiterentwickelt. Doch was macht sie lebendig, und warum sind sie heute wichtiger denn je?

Dritte Orte, gemeinschaftliche Treffpunkte jenseits von Zuhause und Arbeitsplatz, eröffnen Raum für Begegnung, soziale Interaktion, Kultur und Kreativität. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt gewinnen solche physischen Begegnungsorte an Bedeutung: Sie stärken das gesellschaftliche Zusammenleben in einer Region, festigen das Miteinander und beleben die Dorfzentren. Begegnungsorte geben Menschen ein Gefühl von Zugehörigkeit.

Mehr als nur ein Treffpunkt
Begegnungsorte spielen eine immer wichtigere Rolle für die Standortattraktivität von Gemeinden. So profitiert auch das lokale Gewerbe von einem belebten Dorfzentrum, das wieder mehr Kundschaft anzieht. Gerade vor dem Hintergrund von Leerständen und dem Rückgang klassischer Treffpunkte wie Dorfbeizen und Restaurants gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung.

Best Practice im Zürcher Oberland
Im Zürcher Oberland gibt es bereits viele Beispiele für Räume, die Begegnung und Austausch fördern. So ist die Stadt- und Regionalbibliothek Uster längst mehr als ein Ort zum Ausleihen von Büchern. Mit Aufenthaltsbereichen, einem Café, Veranstaltungen oder der «Bibliothek der Dinge» ist sie ein niederschwelliger Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Generationen.

Das Fàrbifestival in Wetzikon steht stellvertretend für Begegnungsorte, die das gesellschaftliche Miteinander stärken.

In Fischenthal übernimmt die private Initiative kauflokal die Rolle eines Begegnungsortes: Nachdem die Konsumenten ihre Produkte online bestellt haben, treffen sie beim monatlichen Abholtermin auf die Produzentinnen und kommen dabei ins Gespräch. Bei einer Tasse Kaffee wird der nüchterne Einkaufsvorgang so zu einem sozialen Moment. Die lokalen Produzent:innen profi tieren von einem grösseren Kundenstamm und können durch die Online-Bestellungen besser planen und dadurch Food Waste entgegenwirken.

Wege zu erfolgreichen Treffpunkten
Begegnungsräume entstehen häufig aus der Bevölkerung heraus («bottom-up»). Nicht selten beginnt ihre Entwicklung mit kleinen Pilotprojekten, die Raum zum Ausprobieren bieten und schrittweise wachsen können. Entscheidend für das Gelingen sind engagierte Menschen, die ihre Ideen mit Enthusiasmus einbringen und diese – auch durch teils freiwilliges Engagement – umsetzen. Der Weg hin zu neuen Begegnungsräumen ist oft genauso wichtig wie das Ziel. Werden die Bedürfnisse der verschiedenen Interessengruppen frühzeitig aufgenommen und berücksichtigt, können Begegnungsräume ihr volles Potenzial als Orte des Austauschs, der Teilhabe und des Miteinanders entfalten.

Auch die öffentliche Hand kann einen wichtigen Beitrag leisten: Zentral ist dabei eine offene und unterstützende Haltung von Politik und Verwaltung. Wer die Anliegen der Bevölkerung ernst nimmt, zuhört und partizipative Prozesse ermöglicht, schafft Vertrauen und die Grundlage für erfolgreiche Initiativen. Ebenso wichtig sind verlässliche Rahmenbedingungen, die Engagement erleichtern statt behindern, etwa durch pragmatische Bewilligungen oder die Bereitstellung von Räumen. Durch die gezielte Förderung von Angeboten kann die öffentliche Hand zusätzlich wichtige Impulse setzen. Dazu gehört auch, über Gemeinde grenzen hinaus zu denken, Projekte zu vernetzen und bisher ungenutzte Orte zugänglich zu machen.

Im Genusswerk Turbenthal stehen nicht nur Genuss und Gastfreundschaft im Mittelpunkt, sondern auch Begegnungen, die Menschen verbinden und die Dorfgemeinschaft stärken. © graustufen.ch

Die Rolle der Standortförderung Zürioberland
Die Standortförderung Zürioberland (SZO) identifiziert Orte mit Entwicklungspotenzial und bringt Gemeinden, Bevölkerung sowie Unternehmen zusammen, um diese weiterzuentwickeln. Sie wirkt dabei als verbindende und impulsgebende Plattform: Sie vernetzt Akteur:innen, macht gute Beispiele sichtbar und unterstützt Initiativen von der Idee bis zur Umsetzung. So stärkt sie die Entwicklung leben diger Begegnungsräume im Zürcher Oberland: Einerseits veranstaltet sie Exkursionen, bei denen die gemeinsame Besichtigung von Good-Practice-Orten auf dem Programm steht. Anderseits unterstützt die SZO ihre Mitgliedsgemeinden bei Standortförderungsfragen und bringt ihre Expertise gezielt ein. Exemplarisch zeigen dies die Gemeinden Pfäffikon ZH, Hinwil, Turbenthal und Wila. Gemeinden, die im Fördergebiet der Neuen Regionalpolitik (NRP) liegen, können zudem von finanziellen Beiträgen profitieren.